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Ratgeber: Balkon, Hof, Dach und Baumscheibe begrünen | hauptstadt.net

Eigenes Grundstück: Regenwasser zurückhalten statt ableiten – Ratgeber

Redaktion·aktualisiert am

Fristen, Fördersätze, zuständige Stellen, Projekte und Termine in diesem Ratgeber kommen live aus unserem Bestand. Sie stehen nicht im Text und werden nicht doppelt gepflegt.

Bei jedem Starkregen schießt das Wasser von deinem Dach ins Fallrohr und aus der Stadt hinaus – und vier Wochen später gießt du mit Trinkwasser. In Berlin bezahlst du dieses Ableiten außerdem: Das Niederschlagswasserentgelt der Wasserbetriebe wird nach entwässerter Fläche berechnet. Regenwasser auf dem Grundstück zu halten ist deshalb der einzige Begrünungsschritt, der sich jedes Jahr auf der Rechnung zeigt.

Deine Ausgangslage

Dieser Ratgeber setzt voraus, dass du über das Grundstück verfügen kannst: als Eigentümerin, als Eigentümergemeinschaft oder mit schriftlicher Zustimmung. Mieterinnen können eine Regentonne aufstellen; alles, was gegraben wird, gehört der Eigentümerseite.

Vier Angaben entscheiden über jede Lösung. Die angeschlossene Fläche: wie viele Quadratmeter Dach und Hof laufen in den Kanal? Der Boden: Berlin steht auf Sand, was gut ist, aber es gibt Lehmlinsen und stauende Schichten – ein Sickertest sagt mehr als eine Bodenkarte. Der Grundwasserstand: in Teilen der Stadt steht das Grundwasser hoch, dann funktioniert Versickerung schlecht. Und die Vorgeschichte des Bodens: bei Altlastenverdacht wird nicht versickert.

Ist das realistisch?

Es gibt vier Wege, und die meisten Grundstücke kombinieren zwei davon. Speichern: Regentonne oder unterirdische Zisterne, das Wasser geht in den Garten. Versickern: Mulde, Rigole oder Sickerschacht, das Wasser geht ins Grundwasser. Verzögern: Gründach und Retentionsdach halten den Abfluss zurück und verdunsten einen Teil. Entsiegeln: weniger befestigte Fläche, weniger Abfluss – die wirksamste und langweiligste Maßnahme.

Das schönste Ergebnis ist meist ein Regenbeet: eine flache Mulde, in die das Fallrohr entwässert, bepflanzt mit Arten, die beides aushalten – nass für zwei Tage und trocken für drei Wochen. Es braucht wenig Technik, sieht nach Garten aus und nicht nach Entwässerungsanlage, und es entlastet die Mischkanalisation dort, wo es in Berlin am nötigsten ist.

Nicht realistisch: Versickerung auf einer Fläche, die kleiner ist als ein Zehntel der angeschlossenen Dachfläche, Versickerung direkt an der Kellerwand und eine Zisterne, die im Sommer das Haus mit Brauchwasser versorgt, ohne dass du die Trinkwasseranlage anfasst. Fachplanung ist empfohlen, sobald gegraben wird, und nötig, wenn Grundwasser, Keller oder Nachbargrundstücke betroffen sind. Wie Berliner Projekte das gelöst haben:

Schritt für Schritt

  1. Fläche und Menge ausrechnen Miss die angeschlossene Dach- und Hoffläche. Als Rechengröße: Berlin bekommt im langjährigen Mittel gut einen halben Meter Niederschlag pro Jahr – aus hundert Quadratmetern Dach kommen also mehrere Dutzend Kubikmeter Wasser. Diese Zahl bestimmt, ob eine Tonne reicht oder eine Rigole nötig ist.
  2. Boden testen Grab ein Loch von etwa fünfzig Zentimetern, füll es mit Wasser und schau, wie schnell es abläuft. Stopppunkt: Steht das Wasser nach Stunden noch, ist Versickerung an dieser Stelle keine Option – such eine andere Stelle oder plane Speicherung statt Versickerung.
  3. Erlaubnisfrage klären Die untere Wasserbehörde ist das Umwelt- und Naturschutzamt deines Bezirks. Frag dort, ob deine Versickerung nach der Berliner Freistellungsregelung erlaubnisfrei ist oder ob du eine wasserrechtliche Erlaubnis brauchst. Stopppunkt: In Wasserschutzgebieten ist Versickerung grundsätzlich erlaubnispflichtig, bei Altlastenverdacht ist sie ausgeschlossen. Das klärt man vorher, nicht nach dem Aushub.
  4. Abstände einhalten Versickerungsanlagen brauchen Abstand zu Gebäuden, Kellern, Bäumen, Leitungen und zur Grundstücksgrenze – sonst landet das Wasser im eigenen oder im Nachbarkeller. Das ist der Punkt, an dem sich Planung auszahlt.
  5. Anlage bauen oder bauen lassen Mulde und Regenbeet sind Handarbeit und ein Wochenende. Rigole, Sickerschacht und unterirdische Zisterne sind Aushub mit Maschine, Vlies, Kies oder Sickerkörper, Überlauf und Notüberlauf. Denk den Überlauf mit: jede Anlage muss auch den Regen können, für den sie nicht gebaut ist.
  6. Regenbeet richtig bepflanzen In die Mulde Arten, die Wechselnässe vertragen – Blutweiderich, Sumpf-Schwertlilie, Mädesüß, Rasenschmiele –, an den Rand trockenheitsverträgliche Stauden. Keine Torfsubstrate, kein Rasen. Das Beet ist nach zwei Jahren dicht und braucht dann fast nichts.
  7. Bei Brauchwassernutzung anzeigen Wenn Regenwasser ins Haus geht – Toilette, Waschmaschine –, ist das eine Brauchwasseranlage. Stopppunkt: Sie ist anzeigepflichtig, Trink- und Brauchwasserleitungen müssen strikt getrennt und gekennzeichnet sein, und ein Rückfließverhinderer nach den geltenden Normen ist vorgeschrieben. Nur für den Garten gilt das alles nicht.
  8. Fläche bei den Wasserbetrieben abmelden Der Schritt, der Geld bringt, und der einzige, den niemand für dich macht: Melde die entsiegelten, versickerten, gespeicherten oder begrünten Flächen bei den Berliner Wasserbetrieben, damit das Niederschlagswasserentgelt gemindert wird. Je nach Bewirtschaftungsart reicht die Minderung von wenigen Prozent bis zur vollständigen Befreiung.

Aufwand und Kosten

Zeit: Eine Regentonne ist eine Stunde, ein Regenbeet ein Wochenende, eine Rigole oder Zisterne mit Erlaubnisfrage und Aushub zwei Wochen bis zwei Monate. Der langsamste Teil ist die Auskunft der Behörde – frag früh.

Kosten: Redaktionelle Größenordnungen, keine Angebote. Eine Regentonne mit Fallrohrabzweig liegt im zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Bereich. Ein Regenbeet in Eigenleistung kostet vor allem Pflanzen, also einige hundert Euro. Rigole, Sickerschacht und unterirdische Zisterne mit Aushub, Einbau und Überlauf liegen im hohen dreistelligen bis vierstelligen Bereich, bei größeren Anlagen darüber. Belastbare Berliner Vergleichspreise für Zisternen und Rigolen haben wir nicht gefunden – hol zwei Angebote ein, statt uns zu glauben.

Pflege: gering. Laubfänger und Filter zweimal im Jahr reinigen, Mulde nach Starkregen ansehen, Überlauf freihalten, Regenbeet einmal im Jahr schneiden. Gegenrechnung: Das Niederschlagswasserentgelt der Berliner Wasserbetriebe liegt nach dem Stand ihrer Tarifseite bei 1,809 Euro je Quadratmeter entwässerter Grundfläche und Jahr. Bei hundert Quadratmetern abgemeldeter Fläche ist das ein dauerhafter dreistelliger Betrag pro Jahr – deshalb rechnet sich hier auch eine größere Anlage.

Was darfst du?

Der Grundsatz. Nach dem Berliner Wassergesetz soll Niederschlagswasser möglichst über die belebte Bodenschicht versickern, soweit dadurch keine Gefahr für das Grundwasser und keine erhebliche Beeinträchtigung von Gewässern zu erwarten ist. Nutzungsberechtigte können sogar zu Versickerung, Rückhaltung oder Reinigung verpflichtet werden – Regenwasserbewirtschaftung ist in Berlin nicht nur erlaubt, sie ist das Leitbild.

Wann es ohne Erlaubnis geht. Die Berliner Freistellungsregelung nimmt bestimmte Fälle von der Erlaubnispflicht aus – unter anderem unbeschichtete Dachflächen bis zu einer Größe im unteren zweistelligen Quadratmeterbereich sowie Wege, Höfe und Stellflächen auf Wohngrundstücken, solange dort nicht mit wassergefährdenden Stoffen umgegangen wird. Ausgeschlossen ist die Freistellung bei Altlasten und Verdachtsflächen. Wir nennen die Regel, nicht ihre Anwendung auf dein Grundstück: welche Variante bei dir greift, sagt die untere Wasserbehörde.

Wann du eine Erlaubnis brauchst. In Wasserschutzgebieten ist Versickerung grundsätzlich erlaubnispflichtig, ebenso bei größeren Flächen, bei Zuläufen von Verkehrsflächen und bei Metalldächern mit Beschichtung. Zuständig ist das Umwelt- und Naturschutzamt des Bezirks als untere Wasserbehörde.

Zwei Sonderfälle. Eine Brauchwasseranlage im Haus ist anzeigepflichtig und unterliegt den Regeln der Trinkwasserhygiene: getrennte, gekennzeichnete Leitungen, Rückfließverhinderer, regelmäßige Wartung. Ein Gartenbrunnen ist in Berlin anzeige-, ab größerer Tiefe erlaubnispflichtig, und die Anzeige muss deutlich vor der Bohrung erfolgen – das Land stellt dafür ein eigenes Merkblatt bereit.

Passende Förderung

Für private Regenwasserbewirtschaftung gibt es in Berlin keinen eigenen Investitionszuschuss. Das Berliner Entsiegelungsprogramm und BENE 2 richten sich an öffentliche, gemeinnützige und gewerbliche Träger. Der finanzielle Hebel für Privatleute ist deshalb kein Zuschuss, sondern die dauerhafte Minderung des Niederschlagswasserentgelts – und die gibt es gestaffelt nach Bewirtschaftungsart, mit dem größten Effekt bei Versickerung und Entsiegelung, einem großen bei Gründach und Regenwassernutzung und einem kleinen bei reiner Speicherung.

Kommt ein Gründach dazu, wird es doch ein Förderfall: GründachPLUS fördert Dachbegrünung ab hundert Quadratmetern Vegetationsfläche innerhalb der Förderkulisse, und ein Retentionsdach ist genau die Kombination aus Rückhalt und Begrünung, die das Programm sucht. Kostenlose Beratung, Rechner und eine Anbietersuche bietet die Berliner Regenwasseragentur.

GründachPLUS

FörderprogrammAktiv laut Originalquelle, geprüft am 13.09.2026

Das Land Berlin bezuschusst die Begrünung von Dächern und Fassaden an Bestandsgebäuden. Für die Dachbegrünung gibt es je nach Stärke der Vegetationstragschicht 95 bis 180 Euro pro Quadratmeter, für die Fassadenbegrünung 50 Prozent der förderfähigen Kosten und…

Träger: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt · Gebiet: berlinweit · Leistung: Zuschuss · Frist: Stichtag 31.12.2027

Originalquelle · Angaben redaktionell geprüft am 13.09.2026

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Für Rigole, Zisterne und Anschluss lohnt ein Fachbetrieb – Überlauf, Abstände und Rückstausicherung sind die Stellen, an denen Eigenbau teuer wird:

Fachbetriebe

Ein geprüftes Verzeichnis von Fachbetrieben bauen wir gerade auf; es erscheint an dieser Stelle. Bis dahin nennen wir hier bewusst keine Firma — eine ungeprüfte Empfehlung wäre schlechter als keine.

Dein nächster Schritt

Frag die untere Wasserbehörde deines Bezirks, ob deine geplante Versickerung erlaubnisfrei ist. Diese eine Auskunft entscheidet über Bauart, Kosten und Zeitplan – und sie ist kostenlos. Halte bereit: Adresse, Größe der angeschlossenen Dach- und Hoffläche, Dachmaterial, geplante Lage der Anlage und das Ergebnis deines Sickertests. Frag im selben Gespräch, ob dein Grundstück in einem Wasserschutzgebiet oder im Bodenbelastungskataster liegt.

Zuständige Stelle

Ohne Bezirk nennen wir keine zuständige Stelle — die Regeln sind in Berlin nicht einheitlich.

Berliner Regenwasseragentur

BeratungsstelleAktiv laut Originalquelle, geprüft am 13.09.2026

Träger: Berliner Wasserbetriebe und Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt · Gebiet: berlinweit · Leistung: Beratung · Frist: laufend, kein Stichtag

Originalquelle · Angaben redaktionell geprüft am 13.09.2026

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Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt — Stadtgrün

BeratungsstelleAktiv laut Originalquelle, geprüft am 13.09.2026

Träger: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Abteilung Naturschutz und Stadtgrün · Gebiet: berlinweit · Leistung: Beratung · Frist: laufend, kein Stichtag

Originalquelle · Angaben redaktionell geprüft am 13.09.2026

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Quellen

Das ist unsere eigene Zusammenstellung aus öffentlichen Quellen. Maßgeblich ist jeweils die Originalquelle; die Abrufdaten stehen dahinter.

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